Es gibt über 1000 verschiedene Bambussorten, aber nur wenige sind für den Panflötenbau geeignet. Bambus ist eine Gras-Pflanze und das einzige wahre Material für Panflöten. Die wichtigsten Sorten für den Panflötenbau werde ich etwas genauer erklären:

Der Tonkin-Bambus heißt so, weil er aus der südchinesischen Region Tonkin kommt. Das Besondere an diesem Bambus sind die langen Knotenabstände und der relativ gerade Wuchs. Ideal für die Panflöten? Nicht ganz: Der Tonkin-Bambus ist schwer und meist dickwandig -  ein Nachteil für das Handling der Panflöte. Außerdem muss der Tonkin innen ausgeschliffen werden, weil er einen Pelzbesatz hat. Dies schadet der Innenfläche der Rohre. Durch die Dickwandigkeit der Rohre und den relativ geringen konischen Verlauf nach unten lässt sich nur schwer ein dynamischer Ton bei den mittleren und tiefen Tönen erzeugen. Für die Massenherstellung von Panflöten wird dieser Bambus gerne verwendet, denn das heisst, schnelle Verabeitung u. schnelle Produktion......

Eine andere auch aus China stammende Bambussorte ist eigentlich ideal für den Panflötenbau. Dieser Bambus hat keinen speziellen bekannten Namen. Der aus China kommende Bambus ist einer von ca. 20 verschiedenen Arten und 60 verschiedenen Sorten, aber nur eine davon verwende ich. Diese eine Sorte ist sehr hart, hat meist reine runde Öffnungen, ist manchmal etwas oval. Der Nachteil bei der Panflötenherstellung sind die oft vorkommenden kurzen Knotenabstände und der ungerade Wuchs. Es erfordert meist einen größeren handwerklichen Aufwand, die Rohre sauber aneinanderzufügen. Die Innenflächen bleiben so glatt wie sie sind, sie werden später nur geölt. Der Aufwand hat sich aber gelohnt, wenn die ersten dynamischen Töne zu hören sind und wenn sich die Panflöte durch ein geringes Gewicht leicht in den Händen dirigieren lässt.


Eine dritte Sorte Bambus kommt aus Malaysien. Diese Sorte ist ideal für die Bass-Panflöten. Ich habe sie malaiischen Langbambus genannt, weil ich als einziger diesen Bambus Jahr für Jahr im malaiischen Busch selber suche, schneide und nach Deutschland liefere. Es gibt keinen besseren Bambus für Bass-Panflöten als diesen Bambus. Dies ist nicht nur meine Meinung alleine, sondern auch die von anderen Panflötenherstellern und Panflötisten.

Diese Bambusrohre haben sehr lange Abstände zwischen den einzelnen Knoten (ca. 70 bis 80 cm bei einem Durchmesser von 25 bis 30 mm). Die Rohre haben einen perfekten konischen Verlauf nach unten. Sie sind nicht dickwandig und nicht schwer. Durch das geringe Gewicht bekommt die Bass-Panflöte ein sehr gutes Handling. Bei einem gekonnten professionellen Anschliff ist eine schnelle und saubere Tonansprache garantiert. Allerdings habe ich nicht die großen Mengen zur Verfügung, weil gute Rohre eher selten sind. Schauen sie sich die Bilder meiner Bass-Panflöten an.

Am Anfang sind die Bambusrohre noch grün, aber sie werden mit der Zeit heller. Faszinierend für mich sind die schönen geraden Rohre die sicherlich einen Meter lang sind bevor der erste Knoten kommt.

Im rechten Bild sind die oben beschriebenen drei Sorten Bambus zu sehen.

- Links der aus China stammende Bambus, der von mir für den Panflötenbau   verwendet wird.

- In der Mitte der Tonkin-Bambus.

- Rechts der malaiische Langbambus ohne Knoten.

Noch etwas: Verzichten Sie auf Holz-Panflöten, wenn möglich. Warum? Holz-Panflöten sind aus Holzstäben verschiedener Holzsorten hergestellt. Diese Stäbe müssen ausgebohrt und abgedrechselt werden. Dadurch werden die Holzstäbe innen zylindrisch, d.h. es gibt keine konische Erweiterung nach unten. Dies wirkt sich auf den Ton negativ aus. Des Weiteren stehen Holzfasern im Innern der Rohre ab. Diese Fasern lassen sich auch durch intensives Schleifen nicht entfernen, sie kommen immer wieder.

Warum schaden diese abstehenden Fasern dem Klang?

Stellen Sie sich vor, Sie stehen in einem großen Raum dessen Wände und die Decke mit Keramik-Fliesen bedeckt sind. Jetzt klatschen Sie in die Hände und Sie werden einen schönen Hall hören, diese Resonanz haben Sie auch bei glatten Innenflächen von Bambusrohren.
So, jetzt stellen Sie sich vor, dass die ganzen Wände und die Decke mit Schaumstoff oder mit anderen resorbierenden/absorbierenden/aufnehmenden Materialien bedeckt sind. Jetzt klatschen Sie wieder in die Hände. Der Hall ist weg, es klingt dumpf. Diese Materialien haben den ganzen Klang absorbiert. Es wäre das Gleiche, wenn sie den ganzen Raum mit Möbeln voll stellen.

Und genau das passiert bei abstehenden Fasern in einem Rohr welches ausgebohrt worden ist, die Fasern absorbieren den Klang und machen ihn dumpf.