Doina Panflöten - Panflöten im Musikalienhandel
Situationsbeschreibung und Tipps für den Musikalienhändler

Obwohl nun schon vor etwa dreißig Jahren der weltweite Siegeszug der Panflöte durch Gheorghe Zamfir begonnen hatte und das Interesse an diesem wunderbaren Musikinstrument seither kontinuierlich zugenommen hat, ist es bis heute immernoch nahezu unmöglich, eine professionelle Panflöte oder gute Schülerpanflöten im Musikalienhandel zu finden. Den Händlern, welche selbstverständlich gern auf die steigende Nachfrage reagieren möchten, werden die fragwürdigsten Angebote von Herstellern gemacht, die sich selbst nie tiefer mit der Panflöte beschäftigt haben, geschweige denn spielen oder zu einem seriösen Spieler Kontakt halten.

Da werden, oft maßlos überteuert, sogenannte Schülerpanföten angeboten, welche nicht einmal den traditionellen Grundtonumfang besitzen. Welcher Geigenbauer würde auf die Idee kommen, für den Beginn eine Geige mit nur drei Saiten anzubieten !? Andere Hersteller verkaufen zu absoluten Phantasiepreisen "Konzert" oder "Solistenpanflöten", die ein derartiges Gewicht aufweisen, daß das Spielen der Panflöte ohne zu zögern als eine äußerst schwere Angelegenheit angesehen werden kann, von der handwerklichen Verarbeitung solcher Instrumente ganz zu schweigen.

Dieser "Marktzustand" im Falle Panflöte beruht vor allem auf mangelnde Information, und wäre für jedes andere Musikinstrument undenkbar ! Bis heute ist es eine Art Geheimtip geblieben, wo eine gute Panflöte erstanden werden kann, wobei sogleich hinzugefügt werden sollte, daß sich gerade in den letzten Jahren einige seriöse Panflötenhersteller etabliert haben. Diese sind allerdings nur kleine Firmen, haben ihren privaten Kundenkreis und liefern bisher nur vereinzelt an den Musikalienhandel, ein Markt, der sich also gegenseitig noch "befruchten" muß. Gern werde ich gute Adressen an interessierte Händler weitergeben.

Das zunehmende Interesse des Kunden an einer fundierten Auseinandersetzung mit der Panflöte findet nicht zuletzt seine Bestätigung in stetig wachsenden Anfragen an die Musikschulen, welche ähnlich wie die Musikalienhändler oft nur hilflos reagieren können. Auch der gigantische Verkauf meiner Lehrbucher für Panflöte deutet darauf hin, daß die Zeit der Spielzeugpanflöten nun langsam zu Ende sein sollte. Zumindest sollten diese nicht länger als "Solisten-, Meister-, Konzert- oder Schülerpanflöten" bezeichnet und gehandelt werden.

Worauf können Sie als Musikalienhändler nun achten, wenn Ihnen Panflöten angeboten werden ?
Sicherlich kann ich diesbezüglich nur auf Indizien hinweisen, da zur Beurteilung einer Panflöte diese unbedingt ausprobiert werden müßte, und zwar von einem Profi. Dennoch möchte ich hier einige Punkte zusammenfassen, auf die Sie achten sollten :


- Als Anfängerinstrument sollten Sie eine Panflöte von 22ig Röhrchen empfehlen, die einen Drei-Oktaven-Tonumfang von G1 - G4 besitzt und in G-Dur gestimmt ist. Dies ist die "Grundausrüstung", jede seriöse Panflötenschule basiert darauf. Größere Panflöten ( Alt-, Tenor- oder Baßpanflöten ) sind für Fortgeschrittene und Beispielsweise für's Ensemblespiel interessant.
- Das Instrument sollte die traditionelle Vogelflügelform ( gebogene Form ) besitzen, wobei sich vom Spieler aus betrachtet die tiefen Töne an der rechten Seite befinden. Der Holzrahmen zur Stabilisierung sollte entlang der unteren Rohrenden verlaufen, nicht unterhalb der Rohröffnungen parallel zu diesen.
- Die Rohre sollten aus Bambus bestehen, zum Beispiel aus taiwanischem oder chinesischem. Auf keinen Fall sollte die Panflöte aus jenem Rohrmaterial hergestellt werden, welches von den Klarinettisten und Oboisten zur Herstellung der Rohrblätter verwendet wird, und in Italien und Südfrankreich wächst. Dieses Material klingt im Falle der Panflöte nicht, da es erstens viel zu leicht und zweitens innen rauh und strähnig ist.
- Die Bambusrohre sollten sich innen sehr glatt anfühlen und so gut miteinander verleimt und angepaßt sein, daß die Wandstärke zwischen den Rohren in etwa der der Außenwandung entspricht. So sollte selbstverständlich zwischen den Röhrchen kein Licht mehr hindurch scheinen. Ebenso sollten die Durchmesser der Rohre gleichmäßig in Richtung der hohen Töne abnehmen.

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Über den Anschliff der Rohrenden, dort, wo gespielt wird, existieren unter den Panflötenprofis unterschiedliche Meinungen. Auf jeden Fall sollte dort, und selbst dieses ist Heute noch keine Selbstverständlichkeit, keine Verletzungsgefahr durch rauhe und splittrige Rohrenden oder scharfe Kanten entstehen.
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Ob ein Instrument sauber intoniert ist, läßt sich leider nur durch einen guten Spieler testen, der in der Lage ist, die Röhrchen mit solider Stütze, geschultem Ansatz und offener ( ungedeckter ) Spielweise zum Klingen zu bringen.

Ulrich Herkenhoff